
Venezuela: Hunderte Nachbeben – Zehntausende Menschen werden weiterhin vermisst

Ein erneutes starkes Erdbeben hat laut lokalen Geologiebehörden am Montag mit der Stärke 5,1 auf der Richterskala den Norden Venezuelas erschüttert, die Menschen verunsichert und in Panik versetzt. Die betroffene Region war zuvor am 24. Juni von einem verheerenden Doppelbeben innerhalb von 40 Sekunden schwer verwüstet worden. Die Zahl der Todesopfer der großen Beben von vergangener Woche ist bis Montagabend nach Angaben der venezolanischen Regierung auf 1.719 Personen angestiegen. Die Zahl der Verletzten wird derzeit mit 5.000 Betroffenen angegeben.
Nach aktuellem Stand und offiziellen Angaben von Erdbebenwarten in den USA und Kolumbien wurden seit den beiden Hauptbeben vom 24. und 25. Juni mehr als 600 Nachbeben in der betroffenen Region Venezuelas registriert. Zu Wochenbeginn ereigneten sich erneut mindestens zwei deutlich spürbare Nachbeben der Stärke 4,7 bis 5,1 an der Nordküste des Landes.

Die aktuellen Zahlen zu Todesopfern wurden seitens der venezolanischen Behörden am 29. Juni veröffentlicht. Zudem gelten nach Angaben der Vereinten Nationen weiterhin mehr als 50.000 Menschen als vermisst, sodass die Opferzahlen sich erwartbar noch erhöhen werden. Die Rettungsarbeiten laufen ununterbrochen weiter, wobei auch internationale Hilfsteams permant im Einsatz sind.
Am stärksten von den Beben betroffen waren der nördliche Bundesstaat La Guaira und die Hauptstadt Caracas. Die US-amerikanische Luft- und Raumfahrtbehörde NASA äußerte nach ersten Auswertungen von Satellitenbildern die Befürchtung, dass die Anzahl der beschädigten Gebäude deutlich höher liegen könnte als erste Schätzungen der Regierung in Caracas.
Im Bereich der Wohninfrastruktur meldete die Regierungsbehörde am Sonntag insgesamt 855 betroffene Gebäude, von denen 189 vollständig eingestürzt sind und 666 einen teilweisen Einsturz oder schwere strukturelle Schäden aufweisen. Laut Angaben des Parlamentspräsidenten Jorge Rodríguez erhalten aktuell in der Bebenregion "insgesamt 22.619 betroffene Bürger medizinische Versorgung in regulären Krankenhäusern, Feldlazaretten und Notfallstationen".
Venezuela erfährt internationale Unterstützung durch Rettungsteams und humanitäre Hilfe aus 30 Ländern, die bei den andauernden Such- und Rettungsmaßnahmen zusammenzuarbeiten.
El Junquito. Cuadrillas remueven escombros y mitigan riesgos en la parroquia caraqueña para garantizar la seguridad de la población.#Venezuela#Terremotos#ElJunquito#Caracas#teleSURpic.twitter.com/TtuwgnRL3L
— teleSUR TV (@teleSURtv) June 30, 2026
So befinden sich inzwischen über 2.600 internationale Bergungsspezialisten, Ärzte und Sanitäter mit 137 Suchhunden, 49 spezialisierten Fahrzeugen und rund 85 Tonnen Material im Land.
Die Regierung hat seit Beginn der Katastrophe 15 Notunterkünfte in La Guaira und 50 weitere im Großraum Caracas eingerichtet, wo die Bürger vorläufig untergebracht werden, die ihre Häuser oder Wohnungen durch die Beben verloren haben. In der Region La Guaira sei laut offiziellen Angaben die Stromversorgung bis Montag zu 90 Prozent wiederhergestellt worden.
Die lokalen Behörden würden laut spanischsprachiger Deutscher Welle es aktuell vermeiden, "von Vermissten zu sprechen, doch die UNO schätzt deren Zahl auf etwa 50.000 und kündigte am Montag an, 10.000 Leichensäcke bereitzustellen."
Vertreter privater Bestattungsunternehmen würden dabei kostenlose Transport- und Einäscherungsdienste anbieten. Leichenwagen parken laut DW-Bericht am Hafen von La Guaira.
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