
Mehrzweckeier oder die Beliebtheit des Bundeskanzlers

Man braucht einen kleinen Moment, bis sich dieses eigenartige Wort "Mehrzweckeier" dechiffriert. Dieser Begriff wird gerade bei einer Umfrage des Langenscheidt-Verlags massenhaft eingereicht, aus der am Ende das Jugendwort des Jahres gewählt werden soll. Und auch hier zeigt sich einmal mehr, wie gut der Streisand-Effekt funktioniert.
Der Streisand-Effekt ist nach der Sängerin und Schauspielerin Barbra Streisand benannt. Diese hatte einmal einen Fotografen, der neben vielen anderen ihr Haus fotografiert hatte, um Millionen verklagt und damit erst die öffentliche Aufmerksamkeit auf diese Fotos gelenkt, wonach das besagte Foto zum Internet-Meme wurde.

Bundeskanzler Friedrich Merz scheint ein besonderes Talent für den Streisand-Effekt zu haben. Das zeigte sich auch im Zusammenhang mit seiner Benennung als "Pinocchio", die erst Schlagzeilen machte, weil die Polizei deswegen ermittelte, und dann eingestellt wurde.
Auch "Mehrzweckeier" hat eine entsprechende Vorgeschichte. Auf einer Demonstration gegen die Wehrpflicht Anfang März dieses Jahres trug ein Demonstrant ein handgemaltes Pappschild mit der Aufschrift "Merz leck Eier". An sich keine besonders überzeugende Parole, aber das Pappschild wurde nicht nur fotografiert, es wurde beschlagnahmt, und gegen den Demonstranten wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung und übler Nachrede und Verleumdung gegen Personen des politischen Lebens eingeleitet. Und schon verbreitete sich "Merz leck Eier" bundesweit. Schon Ende März hing an der TU Berlin ein ganzes Transparent mit dieser Aufschrift.
Weil die Regeln der Umfrage zum Jugendwort des Jahres alle Wörter ausschließen, die irgendwie eine Straftat sein könnten, hat sich "Merz leck Eier" gewissermaßen eine Tarnkappe übergezogen und wurde als "Mehrzweckeier" eingereicht. Sollte dieses Wort tatsächlich unter die ersten zehn kommen, wäre das mit Sicherheit künftig ein beliebtes Beispiel für den Streisand-Effekt.
Merz allerdings scheint mit "Pinocchio" und "Mehrzweckeier" noch nicht zufrieden; jüngst wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Hannover wegen der Benennung "Lackaffe" ermittelt. Da war das Leben mit Robert Habeck noch einfach, da hatte sich der "Schwachkopf" schnell und klar von der Menge abgesetzt, wobei die unverhältnismäßige Hausdurchsuchung damals sicher dazu beigetragen hatte.
Die Entscheidung über das "Jugendwort des Jahres" fällt am 28. Juli.
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