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Was ist über das vom Asow-Kommandeur veröffentlichte Hinrichtungsvideo bekannt?

Ein Ex-Kommandant des neonazistischen Asow-Bataillons veröffentlicht Aufnahmen eines Massakers an Zivilisten im Gebiet Charkow. Nun leitet Russlands Ermittlungskomitee ein Strafverfahren wegen Mord und Folter ein. Was ist bisher über das Verbrechen und die Identität der Opfer bekannt?
Was ist über das vom Asow-Kommandeur veröffentlichte Hinrichtungsvideo bekannt?Quelle: Gettyimages.ru © Anadolu Agency

Achtung! Die im Artikel gezeigten und verlinkten Bilder können verstörend wirken.

von Pjotr Swetow und Jelisaweta Koroljowa

Nach der Veröffentlichung der Videoaufnahme einer brutalen Hinrichtung von Zivilisten im Internet hat das Oberhaupt des russischen Ermittlungskomitees Alexandr Bastrykin die Einleitung eines Strafverfahrens angeordnet. Die Aufnahme war von einem der ehemaligen Kommandeure des neonazistischen Asow-Bataillons gepostet worden. Bald nach der Publikation änderte der Neonazi die Beschreibung. Angeblich sei das Video in der Stadt Kupjansk von russischen Militärangehörigen aufgezeichnet worden. Allerdings bezeugen die Metadaten, dass die Aufnahme gemacht wurde, nachdem Kupjansk bereits unter die Kontrolle des ukrainischen Militärs geraten war. Wie die Ermittler hinzufügten, belegt dies auch die gezeigte Umgebung. Nach Angaben der Quelle von RT handelte es sich bei den Opfern vermutlich um örtliche Lehrer.

Das Ermittlungskomitee wird ein Strafverfahren wegen Folter und Morde an Zivilisten aus der Stadt Kupjansk des Gebiets Charkow einleiten. Eine entsprechende Anordnung erteilte am 10. Oktober dessen Oberhaupt Alexandr Bastrykin. In der offiziellen Mitteilung der Behörde heißt es:

"Die Mitarbeiter des Ermittlungskomitees werden Maßnahmen ergreifen, um die Todesumstände der Zivilisten festzustellen, sowie um die an ihrer Folter und Tod beteiligten Personen zu Verantwortung zu ziehen."

Am 9. Oktober war in den sozialen Netzwerken ein brutales Video erschienen, in dem Leichen in Zivilkleidung in einer Sandgrube verscharrt werden. Die Hände der Toten waren hinter ihren Rücken verbunden. Die Aufnahmen veröffentlichte der ehemalige Kommandant des neonazistischen Asow-Bataillons Maxim Schorin in seinem Telegramkanal. Er ergänzte die Publikation mit dem Text:

"Immer noch besetztes Kupjansk, Gebiet Charkow. Zivilbevölkerung. Die Vergeltung wird kommen!"

Einige Zeit später änderte der Asow-Angehörige die Videobeschreibung, indem er die Schuld an der Hinrichtung russischen Militärangehörigen zuwies. Das Video stamme vom Mobiltelefon eines "Besatzers", schrieb er.

Dennoch wurde laut den offengelegten Metadaten das Video am Tag der Publikation aufgezeichnet. Auf diese Tatsache wies Russlands Ermittlungskomitee hin:

"Die Metadaten des Videos belegen, dass es am 9. Oktober aufgezeichnet wurde. Die gezeigten Tatsachen zeugen von neuen Kriegsverbrechen des Kiewer Regimes."

Am 9. Oktober war Kupjansk bereits vom ukrainischen Militär besetzt worden, russische Soldaten konnten das Video somit nicht aufzeichnen. Auch die im Video gezeigte Umgebung spricht gegen die letztere Annahme, so das Ermittlungskomitee.

Identität der Opfer

Bei den im schrecklichen Hinrichtungsvideo gezeigten Menschen handelt es sich vermutlich um Lehrer aus Kupjansk. Dies berichtete gegenüber RT der ehemalige ukrainische Rada-Abgeordnete und Präsidentschaftskandidat Oleh Zarjow, der inzwischen die Donbass-Republiken unterstützt. Er erklärte:

"Die Menschen im Video wurden von Lehrern erkannt, die in den russisch kontrollierten Teilen des Gebiets Saporoschje leben. Ich bat die Abonnenten meines Telegramkanals, mir mitzuteilen, ob irgendjemand die Menschen im Video erkannte. Man schrieb mir und erzählte, dass es Lehrer aus Kupjansk seien. Sie wurden erkannt, weil die Lehrer aus Saporoschje mit ihnen zusammenarbeiteten. Ich leitete diese Information an die Ermittler weiter."

In einem Gespräch mit RT erklärte das Oberhaupt der militärisch-zivilen Verwaltung des Gebiets Charkow Witali Gantschew, dass die vom Neonazisten Schorin geteilte Videoaufnahme gegenwärtig von Spezialisten untersucht werde. Gantschew zufolge müssen die Sicherheitsdienste erst ermitteln, wer im Video abgebildet ist. Er führte aus:

"Wir versuchen gerade, im Einzelnen festzustellen, was im Video abgebildet ist. Wir haben noch keine sicheren Angaben, wer in der Aufnahme präsent ist und was für Menschen in der Grube liegen. Wir sprechen mit den Einheimischen, um herauszufinden, was geschehen ist. Wir versuchen, die Menschen anhand von Kleidung und Körperbau zu identifizieren. Ich weiß, dass russische Sicherheitsdienste daran arbeiten."

Der genaue Ort, an dem das Video gedreht wurde, sei bisher nicht bekannt, fügte Gantschew hinzu. Es sei möglich, dass die Aufzeichnung bei Kupjansk stattfand, allerdings gebe es ähnliche Landschaften in der Nähe von Isjum und der Ortschaft Schewtschenkowe. Ferner erklärte er:

"Was den Zeitpunkt angeht, so ist es, wenn man nach Wetter und Laubwerk urteilt, Herbst. Das ist genau die wärmere Periode, die es dort jetzt geben kann. Ich glaube, dass ukrainische Nationalisten gerade dazu Gräueltaten filmen, um eine Provokation vorzubereiten und russischen Militärangehörigen Folter anzulasten."

Es ist anzumerken, dass der ehemalige Asow-Kommandant Maxim Schorin nicht zum ersten Mal Video- und Fotoaufnahmen von Hinrichtungen von Zivilisten veröffentlichte. So publizierte er im März 2022 Bilder von verunstalteten Leichen der Mitglieder von "Patrioten – für das Leben", des Jugendverbands der Partei "Oppositionsplattform – Für das Leben", und titelte die Aufnahmen wie folgt:

"So sehen jetzt die 'Patrioten – für das Leben' aus Sewerodonezk aus. Am 7. März waren sie verschwunden, und nun sind ihre neuen Fotos aufgetaucht. Sie sehen nicht besonders gut aus …"

Die Gesichter der Menschen auf den von Schorin veröffentlichten Aufnahmen waren durch Schläge bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet.

Schorin stammt aus der Stadt Rubeschnoje des Gebiets Lugansk. Er hat den Rang eines Oberleutnants der Nationalgarde der Ukraine. Er ist einer der am stärksten in den Medien präsenten Asow-Kommandeure, gibt regelmäßig Interviews und führt aktiv seinen Telegramkanal.

Nach Angaben des russischen Ermittlungskomitees war Schorin für den Artillerieangriff auf das Dorf Besymjannoje des Bezirks Nowoasowsk im Gebiet Donezk im Mai 2017. Damals wurden zwei Wohnhäuser und drei Objekte der zivilen Infrastruktur beschädigt oder zerstört. Ferner nahm er gemeinsam mit anderen ukrainischen Nationalisten am Abriss der Büste für den Marschall Schukow in Charkow teil.

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Übersetzt aus dem Russischen.

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