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Dobropolje: Ukrainische Eliteverbände im Kessel

Russlands Streitkräfte haben im Gebiet der Sonderoperation einen weiteren Kessel für das ukrainische Militär gebildet. Das Zerschlagen der ukrainischen Eliteeinheiten in Dobropolje könnte weitreichende Folgen für die Befreiung von Slawjansk und Kramatorsk haben.
Dobropolje: Ukrainische Eliteverbände im Kessel© Urheberrechtlich geschützt

Von Jewgeni Krutikow

Der russische Truppenverband Mitte hat die Einkesselung eines großen ukrainischen Verteidigungsknotens in Dobropolje in der Donezker Volksrepublik abgeschlossen, meldete Russlands Verteidigungsministerium am 22. September. Die Rede sei von der Herausbildung eines operativen Kessels in Dobropolje. Nach Angaben des Ministeriums wurden Einheiten der 4. und 15. Brigade der Nationalgarde der Ukraine sowie Kämpfer des 425. Regiments Skala ("Fels") eingekesselt. Der Truppenverband Mitte reibe die blockierten gegnerischen Formationen auf und führe seine Offensive in Richtung Alexandrowka fort.

Weiter östlich war zuvor der Ort Solotoi Kolodes befreit worden. Russische Soldaten stießen dicht hinter den sich zurückziehenden ukrainischen Truppen auf Nowowodjanoje vor und unterbrachen damit die Versorgungsstraße Dobropolje–Kramatorsk. Am gleichen Frontabschnitt erschienen Berichte von einem weiteren Vorstoß in Richtung des Dorfs Marjewka, die noch nicht offiziell bestätigt wurden.

Meldungen über eine schnelle Operation zur Einkesselung von Dobropolje waren bereits vor Tagen erschienen. Am 21. September erklärte Denis Puschilin, Oberhaupt der DVR, dass russische Truppen aus zwei Richtungen, von Süden und Nordosten her, auf Dobropolje vorstoßen. Der Chef der DVR betonte die strategische Bedeutung dieser Ortschaft. Gerade durch Dobropolje verläuft die Hauptstraße aus dem Gebiet Dnjepropetrowsk, über die ukrainische Garnisonen in Kramatorsk und Slawjansk versorgt werden.

Voraussetzungen für eine Einkesselung der Stadt Dobropolje wurden nach der Einnahme des gleichnamigen Dorfs geschaffen. Etwas zuvor brachten Russlands Streitkräfte zwei alte Bergwerke und deren Halden unter ihre Kontrolle, wodurch sie das Stadtgebiet beobachten und unter Feuer nehmen konnten. Im Norden und Nordwesten besetzten russische Truppen das bebaute Gebiet in der Nähe einer dritten Halde.

Damit blieben der ukrainischen Garnison die Felder westlich des Stadtgebiets in der Nähe des Friedhofs und der Kommunalnaja-Straße als letzter Versorgungsweg übrig, doch auch diese Route wurde am 21. September blockiert. Es bildete sich ein operativer Kessel, der seinerseits durch Vorstöße entlang der Hauptstraßen der Stadt – Perwomaiskaja und Siegesprospekt – aufgespalten werden kann. Es erscheinen bereits Meldungen, wonach die Hauptangriffsrichtungen der russischen Streitkräfte innerhalb des Kessels gerade entlang dieser Straßen verlaufen.

Die wichtigste ukrainische Verteidigungsstellung liegt in der Mitte der Stadt bei den Bezirken Molodjoschny und Solnetschny. Im Molodjoschny-Bezirk ist die Konzentration von Hochhäusern am größten. Dort liegt vermutlich das 425. Separate Sturmregiment Skala. Diese Einheit wurde im Jahr 2022 aufgestellt und stand lange in der persönlichen Gunst des ehemaligen Oberbefehlshabers des ukrainischen Militärs, Alexander Syrski.

Skala galt als eines der Vorzeigeregimenter und wurde vorrangig mit westlicher Technik ausgestattet. Unter anderem erhielt die Einheit als eine der ersten die Abrams-Panzer. Zum Einsatz kam Skala vor allem bei Sturmangriffen – so etwa während der ukrainischen "Gegenoffensive" 2023 bei Rabotino im Gebiet Saporoschje. Damals erlitt das Regiment massive Verluste, verlor fast seine gesamte Technik und musste umstrukturiert werden.

Nach Syrskis Entlassung änderte sich das Image des Skala-Regiments drastisch. Mehrere Ermittlungen wegen des Todes von Militärangehörigen auf Ausbildungsplätzen und an Unterkunftsorten im Hinterland wurden eingeleitet. Skala wies praktisch alle Geburtstraumata der sogenannten ukrainischen Eliteverbände auf, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten die persönliche Gunst des Oberkommandos erlangt hatten: Misshandlungen von Militärangehörigen, Kameradenschinderei, Erpressungen, Plünderungen, Willkür der Offiziere und Kommandeure und sogar Morde. Die Anzahl der im Hinterland ermordeten Soldaten näherte sich mehreren Dutzend.

Der Kommandeur des Regiments, Oberstleutnant Juri Garkawy, der aus weltanschaulichen Gründen noch an der sogenannten "Anti-Terror-Operation" gegen die Donbassrepubliken teilgenommen hatte, wurde entlassen, die Soldaten zunehmend in andere Formationen versetzt. Doch es gelang nicht, Skala vollständig aufzulösen oder sein Personal auszutauschen, denn der schnelle russische Vormarsch auf die Stadt Krasnoarmeisk (ukrainischer Name Pokrowsk) führte dazu, dass das Regiment an den entsprechenden Frontabschnitt verlegt werden musste.

Ein weiterer wichtiger ukrainischer Verband, der inzwischen in Dobropolje eingekesselt ist, ist die 4. Brigade operativen Auftrags der Nationalgarde Rubesch ("Grenze"), auch bekannt als die schnelle Eingreifbrigade der Streitkräfte der Ukraine. Es ist eine der ersten ukrainischen Brigaden, die nach NATO-Standards aufgestellt, mit speziell ausgewähltem Personal besetzt und von Anfang an mit westlichen Waffen ausgerüstet wurde. Diese Brigade hätte zu einem der Vorzeigeverbände der ukrainischen Armee werden und unter anderem auch an Auslandseinsätzen teilnehmen sollen. Im Frühling 2022 lag die 4. Brigade in der Nähe des Flughafens Gostomel bei Kiew, wo sie große Verluste bei Kämpfen gegen die russischen Fallschirmjäger erlitt.

Der dritte in Dobropolje eingekesselte ukrainische Verband ist die 15. Brigade operativen Auftrags Kara-Dag, deren pathetisches Motto lautet: "Hissen wir die Flagge über der Krim". Auch diese Formation wurde nach NATO-Standards auf Grundlage des ehemaligen 9. Sonderregiments der inneren Truppen der Nationalgarde der Ukraine Gepard aufgestellt. Auch die 15. Brigade nahm an der gescheiterten Gegenoffensive im Jahr 2023 teil, wurde allerdings nach den erlittenen schweren Verlusten in den Raum Krasnoarmeisk verlegt. Später verließ sie kampflos Selidowo und zog sich von Krasnoarmeisk bis Dobropolje zurück.

An dieser Stelle sei betont, dass alle drei in Dobropolje eingekesselten ukrainischen Verbände zwar wegen Verlusten nicht über ihre volle Stärke verfügen, dennoch zur Elite des ukrainischen Militärs gehören – im Gegensatz zu den Brigaden der Territorialverteidigung, die aus Zwangsrekruten aufgestellt werden. Einige von ihnen, etwa die 15. Brigade, haben Erfahrung in Defensivkämpfen, auch wenn sie sich in den vergangenen Monaten und Wochen konsequent auf dem Rückzug befanden und einen Ort nach dem anderen aufgaben. Gegenwärtig verlieren sie die Kraft zum Widerstand in Dobropolje und halten nur noch einige Hochhausgebiete und eine einzige Halde im nördlichen Teil der Stadt.

An diesem Abschnitt schlossen Russlands Streitkräfte den Kessel entlang der Dobroljubow-Straße und werden demnächst voraussichtlich ihre Kontrollzone nach Westen in Richtung Swjatogorsk (ein Vorort von Dobropolje) und nach Norden in Richtung Belosjorskoje ausweiten. Der parallel dazu erfolgende Vormarsch östlich von Solotoi Kolodes über Nowowodjanoje soll eine breite Pufferzone schaffen und die Möglichkeit eines Entsatzes für die blockierten ukrainischen Verbände ausschließen.

Die Kampffähigkeit der ukrainischen "Eliteeinheiten" im Kessel ist noch nicht ganz klar, doch möglicherweise werden sie sich auf die zentralen Stadtgebiete stützen und ihren Widerstand fortsetzen können. Die nördliche Halde eignet sich dazu nicht mehr, weil sie bereits umzingelt ist.

Bisher gibt es keine Anzeichen dafür, dass das ukrainische Militär einen Entsatz für Dobropolje plane. Reserven dazu gibt es nicht. Die nächsten ukrainischen Hinterlandstellungen liegen weit entfernt in Alexandrowka, wo die zweite Rochadestraße aus dem Gebiet Dnjepropetrowsk für die Versorgung von Kramatorsk verläuft. Die Hauptstraße bis Dobropolje wurde nach der Befreiung von Solotoi Kolodes bereits durch russische Truppen unterbrochen.

Dies ist ein wichtiges Detail, denn bis in die jüngste Vergangenheit hatte die Ukraine die Möglichkeit, Reserven zwischen den beiden Frontabschnitten zu verlegen und damit geschwächte Bereiche zu schützen. Nun verlängert sich der Weg über Alexandrowka um ein Vielfaches, wodurch solche Manöver in Reichweite der russischen Angriffsdrohnen ihren Sinn verlieren. Der Frontabschnitt Dobropolje hängt mit den Ereignissen im Bereich Kramatorsk allein wegen der Verkehrsverbindung zusammen.

Dabei gibt es Angaben, wonach die ukrainischen Hauptkräfte gegenwärtig nicht im Norden von Dobropolje – was für einen Entsatz scheinbar einfacher wäre – sondern westlich von Krasnoarmeisk konzentriert werden. Dieser ukrainische Truppenverband kann für Dobropolje keine unmittelbare Unterstützung leisten und scheint sich noch nicht zu bewegen.

Alternativ könnte die Ukraine Angriffe gegen Kotlino und Grischino, also zwischen Dobropolje und Krasnoarmeisk, versuchen, um zumindest an diesem Abschnitt russische Kräfte zu binden. Jedenfalls wird es Dobropolje kaum helfen, vor allem, wenn russische Truppen ihr Vormarschtempo innerhalb der Stadt aufrechterhalten können.

Ukrainische Truppen verloren die letzte Rückzugsmöglichkeit aus Dobropolje. Währenddessen werden Russlands Streitkräfte ihren Vormarsch nach Norden unmittelbar nach Alexandrowka fortsetzen und dabei die Möglichkeit eines Entsatzes beseitigen.

Die Einkesselung von Dobropolje wird nicht nur zum Aufreiben ukrainischer Vorzeigeverbände führen, sondern auch erhebliche russische Kräfte für eine direkte Offensive zu den Grenzen der Donezker Volksrepublik im Nordwesten freisetzen. Die westliche Verteidigungslinie des Ballungsraums Slawjansk–Kramatorsk wird in Gefahr geraten. Somit kann eine einzige Offensive den Kampfverlauf an benachbarten Frontabschnitten mit weitreichenden Folgen verändern.

Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen bei der Zeitung Wsgljad am 22. September 2026.

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