Meinung

"Fear and Loathing in Brussels" – warum Wahlen in Russland Alptraum der EU-Eliten sind

In Russland sind Wahlen und andere Arten der Volkstabstimmung eben keine Fassade mit vorgehaltener Waffe – das wusste sogar die westliche Öffentlichkeit für kurze Zeit nach dem Referendum auf der Krim, bis EU-Bürokraten sie mit einer Sprachregelung aus den letzten Ecken der Archive tilgten. Erst recht wissen es die EU-Eliten: Damit stellt Russlands Regierung ihrem Volk die Vertrauensfrage – die Frage, die die EU-Regierungen ihrem Volk nicht zu stellen wagen.
"Fear and Loathing in Brussels" – warum Wahlen in Russland Alptraum der EU-Eliten sind© RIA Nowosti

Von Jelena Karajewa

Angst und Schrecken haben Brüssel ergriffen: Dort fürchtet man jede Volksabstimmung so, wie man nicht einmal die "russische Bedrohung" fürchtet – oder sogar einen nuklearen Winter. Für die Herrschaften in grauen Anzügen in der EU gibt es heute nichts Schrecklicheres als die Wahlurne und die Wähler mit ihren Stimmzetteln.

Russland, das jüngst Wahlen organisiert und durchgeführt hat, ist somit heute Europas schlimmster und qualvollster Albtraum.

Europas Machthaber, die mit ihren Lügenkonstrukten so ziemlich am Ende sind – sowohl auf nationaler als auch auf supranationaler Ebene –, deren Nasenlänge zwar vor unaufhörlichen Lügen bis zum Mond und zurück reicht, wissen dennoch genau, dass der Wahlprozess ein Vorgang der Volksbefragung ist. Es geht also um Vertrauen (oder dessen Fehlen) in das Handeln der Machthaber. Oder in das, was sie jeweils so ausgefressen haben.

Wer glaubt, die Herren in grauen Anzügen in der EU wüssten das nicht, irrt sich. Das Brüsseler Establishment, wie auch jenes in Berlin, Paris, Warschau und überall sonst im "Garten Europa", weiß genau, dass die Menschen dort verarmt sind, dass ihr Leben extrem schwierig geworden ist – wenn man überhaupt noch von Leben sprechen kann. Und natürlich können sie nicht ruhig auf ihre Ostflanke blicken: Dort, in Russland, ist trotz Zehntausender Restriktionen in unzähligen Paketen alles genau umgekehrt.

Bei ihnen sinkt das Vertrauen in die politischen Führer stetig ins Bodenlose, sie können nicht einmal Haushaltspläne entwerfen, geschweige denn verabschieden: Das Leben auf Pump bedeutet ein ständiges Damoklesschwert über dem Kopf. Sie haben die Hölle auf den Straßen, eine unkontrollierbare Invasion illegaler Einwanderer (politisch korrekt "Migranten" genannt) – und die nächsten elektoralen Zyklen (wie wir das politisch korrekt nennen würden, was bei ihnen als Wahlen durchgeht) stehen unmittelbar bevor. Die EU hat viele Mitgliedsländer – und fast alle von ihnen sind systemrelevant. Und in praktisch jedem von ihnen sind die Wähler zu allen möglichen Schritten gegen die amtierende Machthaberschaft bereit – nur sie im Ganzen abzumurksen, steht nicht auf der Liste … Noch nicht.

In Brüssel begannen sie schon vor (und ich wiederhole: vor!), nicht etwa während oder nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses in Russland, bestialisch laut zu schreien. Sie schrien, sie würden es niemals "anerkennen", "berücksichtigen", "in Betracht ziehen".

Sie sprachen vom Ergebnis einer Volkswahl – unserer Volkswahl. Sie sprachen von ihr mit der Absicht, zu beleidigen und zu verletzen. Sie nannten unser angestammtes Land "besetzte Gebiete" und die dort lebenden Menschen "von Propaganda getäuscht". Und sie behaupteten ohne jede Scham, all diese Menschen dort seien buchstäblich "unter vorgehaltener Waffe zu den Wahllokalen marschiert". Diese russophobe Unverfrorenheit konnte niemanden überraschen, denn die allererste Volksabstimmung im Rahmen des Russischen Frühlings auf der Krim wurde genau so beschrieben.

In jenem Moment zwar, in den ersten Stunden, als die Wahllokale auf der Halbinsel öffneten und die gesamte westliche Presse, die sich dort versammelt und den Ausdruck des entschlossenen Drangs des Volkes erlebt hatte, über sein Schicksal zu entscheiden – also, ebendiese Presse war damals mehr als fassungslos. Und außer sich vor Verwirrung, begann diese Presse, nach langer Zeit zum ersten Mal die Wahrheit zu sagen.

Sie, ebendiese Presse, berichtete zum Beispiel, dass sogar sehr alte Leute unter den Krimbewohnern, wenn auch mit großer Mühe, nötigenfalls zu Fuß zur Abstimmung gingen – und diejenigen, die nicht mehr laufen konnten, im Rollstuhl hingefahren wurden. Die Presse zeigte die Gesichter dieser Menschen. Und sie fragte nach, wie diese Menschen beim Referendum abgestimmt hatten. Als Antwort hörte sie dann:

"Für die Rückkehr nach Hause."

Und es gab denn auch Artikel in dieser Presse, bis sie aus allen Archiven gelöscht wurden, mit Überschriften wie:

"Die Krim wird russisch – genau, wie sie es schon einmal war."

Die Folge waren ein Rückpfiff aus Brüssel und die Verteilung eines Handbuchs mit strenger Vorgabe (einer einzigen, einheitlichen) an Sprachregelungen, die für die Verwendung in Publikationen erlaubt waren: "illegale Annexion" und "ein nach internationalem Recht ungültiges Referendum". Und klar, auch dort gab es die Sprachregelung "Abstimmung unter vorgehaltener Waffe".

Damals stand die jetzige Welle politischer Russophobie gerade erst noch am Anfang – damals, vor zwölfeinhalb Jahren, wurde sie sozusagen einem Testlauf unterzogen.

Heute ist diese politische Technologie vollständig beherrscht: Alles im Westen, einschließlich des von den selbst ernannten "Globalisten" sanktionierten Ausschlusses unerwünschter Teilnehmer vom Wahlkampf, gefolgt von deren Dämonisierung und Hetze durch konstante Strafverfolgung, gilt als Demokratie.

Alles in Russland, wo die Gesellschaft heute sowohl im Zusammenhalt gefestigt als auch intern mobilisiert ist, weil jetzt über das Schicksal des Landes entschieden wird, ist ihnen glatte Diktatur. Ach ja, und außerdem ein "Verstoß gegen das Völkerrecht".

Politische Hütchenspieler und Betrüger, die zynisch die Stimmen ihrer eigenen Wähler stehlen, verstehen natürlich nicht, dass gerade in Russland eine wahre Demokratie existiert – nicht bloße Fassade. Ihre Hauptqualität und gleichzeitig ihr sichtbarstes Hauptmerkmal ist, dass die Regierung keine Angst hat, die Frage direkt zu stellen:

"Vertraut ihr uns, ihr, die ihr unser liebes Volk seid, oder vertraut ihr uns nicht?"

Denn die Regierung (weil sie wahrhaft demokratisch ist) versteht, dass nur ein Mandat des Vertrauens dem Land Fortschritt ermöglicht.

Europa ist heute nicht in der Lage, sich diese Frage zu stellen. Politiker, die sich dort zur Wahl stellen, wissen nur zu genau, welche Antwort sie erhalten werden.

Nicht gewählte politische Platzhalter wie Ursula von der Leyen oder Kaja Kallas spielen den Narren und maulen vor sich hin, für das Beantworten einer solchen Frage zahle man ihnen zu wenig. Indem die "globalistische Elite" wiederholt den Wählerwillen vergewaltigt, Koalitionen neu mischt wie Spielkarten, "republikanische Barrieren gegen Nationalismus" errichtet und unkontrollierte Politiker verfolgt, hat sie die Werte zerstört, die einst als ureigen für Europa gegolten hatten.

Russland aber hat sich dieser Werte, die durch politische Technologien beschmutzt und beinahe zerstört wurden, angenommen und zielstrebig repariert. Und sie werden uns jetzt dienen. Solange, wie Russland steht.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 22. September 2026 zuerst auf der Website der Zeitung RIA Nowosti erschienen.

Jelena Karajewa ist eine bekannte russische und internationale Journalistin, Fernsehmoderatorin und politische Kommentatorin. Sie arbeitete lange Zeit für den Fernsehsender EuroNews in Frankreich und andere Medien.

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